Psychologie: Nostalgie –ein Schutzmantel für unsere Seele

Am Wochenende nützte ich das herrliche Wetter, machte mir mit einer Tasse Kaffee auf der Terrasse gemütlich, genoss die warmen Sonnenstrahlen und ging einer meiner Lieblingsbeschäftigungen nach –ich las. Es gibt Bücher die lese ich immer wieder. Häufig bekommt man mit der Zeit einen anderen Blick auf die Bücher und vor allem ein anderes Verständnis dafür. Und so nahm ich mir nach Jahren wieder einen der ersten Klassiker der Weltliteratur vor: Homers Odyssee. Und sehe da –urplötzlich wurde mir das Hauptmotiv des Buches wie nie zuvor klar –in dem Buch geht es um die Macht der Nostalgie.

img_6399Das Buch schildert die Irrfahrt von Odysseus, der nach zehn Jahren im Trojanischen Krieg noch mal genauso lange brauchte bis er wieder zu Hause war. Odysseus sehnt sich schmerzhaft nach seiner heimatlichen Insel Ithaka und einer Rückkehr zu seiner Familie. Nur die Erinnerungen motivieren ihn zu fast übermenschlichen Leistungen und sind für ihn eine schier unerschöpfliche Kraftquelle. Sie befähigen ihn dazu, den Unwillen der Götter zu ertragen und scheinbar unwiderstehlichen Versuchungen nicht zu verfallen. Drei Jahre fuhr er auf dem Meer umher, sieben Jahre hielt ihn die schöne Göttin Kalypso gefangen. Sie bot ihm Unsterblichkeit an, doch Odysseus lehnte ab. Er dachte nur an die Rückkehr nach Ithaka.

In diesem Werk zeigt Homer als Erster welche Macht der Nostalgie innewohnt. Aus den Erinnerungen schöpfte Odysseus die Kraft alle Widerstände zu überwinden und nach Hause zu finden.

Nach dem ich das Buch zu Ende gelesen habe, dachte ich darüber nach, wieso Nostalgie uns so enorm prägt, weshalb uns manche Erinnerungen erhalten bleiben und warum wir manche Gerüche und Musik mit bestimmten Personen, Orten und Erlebnissen verbinden.

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Jeder von uns schwelgt gerne nostalgisch in der Vergangenheit und erinnert sich gerne an die guten, alten Zeiten in denen der Sommer besser war, das Eis besser schmeckte, und der Himmel blauer war. Wir erinnern uns an damals als wir noch ein Kind waren, als wir noch Zeit hatten und mit Freunden unterwegs waren. An Zeiten in denen die Welt noch sorglos und heil war und unsere Zukunft unbeschwert und rosig erschien.

Familienalbum3Mein Teddy aus der Kindeit

Was aber genau ist Nostalgie und warum werden wir nostalgisch, wenn wir traurig sind?

Nostalgie ist mehr als eine Erinnerung. Sie ist geprägt von einer emotionalen und sentimentalen Note. Nostalgie ist die lebhafte, sentimentale Sehnsucht nach Personen, Ereignissen, Orten oder Gegenständen aus der Vergangenheit. Fakt ist, wir können uns erinnern, ohne nostalgisch zu werden, aber wir können nicht nostalgisch werden ohne uns zu erinnern.

Nostalgie gilt vor allem, als ein Gefühl der Traurigen und Einsamen. Wenn wir traurig sind, hängen wir häufiger dem sentimentalen Gefühlen nach, das liegt daran, dass Nostalgie eine Art natürlicher Schutzmantel für unsere Stimmung ist. Wir nutzen Nostalgie unbewusst um negative Gefühle zu vertreiben.

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Wir lieben den Blick in unsere Geschichte. „Erinnerst du dich noch an…“ so oder so ähnlich beginnen unsere kleinen Zeitreisen, die uns an vergessene Orte in längst vergessene Situationen zurückführen. Ein Musikstück, ein Foto, ein Duft, ein wiedergefundener Brief –schlagartig erinnern wir uns wehmütig an damals, an wichtige Menschen und schöne Erlebnisse. Da ist Sie wieder, plötzlich und scheinbar zum greifen nah –unsere Vergangenheit. Reich an Glücksmomenten strahlt sie uns an und entführt uns in die Zeit als noch alles besser war –natürlich stimmt das nicht immer -Früher war nicht unbedingt alles besser, den unser Blick in die Vergangenheit ist oft getrübt. Wir neigen dazu die Vergangenheit zu verklären und setzen beim Blick in das Vergangene automatisch die oft zitierte rosarote Brille auf.

FamilienalbumDennoch ist Nostalgie ein äußerst wertvolles Gefühl. Sie hilft uns dabei, Traurigkeit und Gefühle der Einsamkeit zu überwinden. Und da nostalgieauslösende Erinnerungen in der Regel persönlich bedeutsame positive Erfahrungen beinhalten, begünstigt uns Nostalgie soziale Verbundenheit zu erleben, sichere Bindungen aufzubauen und Sie schafft Vertrauen. Gemeinsame Erinnerungen sind quasi der Klebstoff, der unsere Beziehungen zusammenhält.

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Ich vergleiche das Leben oft mit einer Autofahrt ohne Tankanzeige und ohne Navi. Wir wissen nicht, wie lange unser Motor noch läuft. Wo es Staus gibt, wo Umleitungen und wo rote Ampeln, und Geisterfahrer lauern. Deshalb ist der Blick in den Rückspiegel manchmal ganz hilfreich.

Liebe Grüße,

Magdalena


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